Anzeigen 6 2 0 2 l a n r u o j e s i e R 48 Im Thermalbad Foto: pressmaster/stock.adobe.com Kurbetrieb wieder an. Denn die vom Reichskanzler in den 1880er-Jahren ins Leben gerufene Krankenversicherung brachte bald auch nichtadelige Kreise in den Genuss einer Kur. Nun entstanden überall im Land große Kurhausanlagen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die positive Wirkung von Kuraufenthal- ten auf die Volksgesundheit auch medi- zinisch-wissenschaftlich untermauert, weshalb man begann, gesundheitlich angeschlagene Arbeiter und Angestellte von Zeit zu Zeit „in die Kur zu schicken“ oder, etwa nach längerer Krankheit, „in die Reha“. Der Wellness-Aufenthalt ersetzt heute oft die herkömmliche Kur Im ausgehenden 20. Jahrhundert trat er- neut eine Wende ein, denn jetzt litt das Kurwesen sehr unter den staatlichen Ge- sundheitsreformen, mit denen der Ge- setzgeber den Krankenkassen deutliche Budgetkürzungen abverlangte. An die Stelle der ärztlich verordneten und über- wachten Kur trat nun die persönliche Vorsorge, der Wellness-Gedanke erhielt starken Auftrieb, auch in Verbindung mit dem touristischen Aspekt. Viele Kuror- te passten sich der Entwicklung an und erweiterten ihr Portfolio um Wohlfühl-, Freizeit-, Kultur- und Sportangebote. Spezialisierung der Kurorte Aber auch beim Gesundheitsangebot gibt es in den Kurorten eine erstaunliche Vielfalt. Ob mit Rezept oder ohne, ob in den Bergen oder am Meer, ob allein oder mit der Familie, ob Vorsorge oder Reha- bilitation – für jedes Bedürfnis und jeden Geschmack bieten die 350 deutschen Heilbäder und Kurorte heute das optima- le Gesundheitspaket. Stets sind diese be- sonderen Orte eingebettet in eine wun- derschöne Umgebung mit viel frischer Luft und lassen somit das Straßengewirr und den Verkehrslärm der Großstadt vergessen. Stattdessen sind die liebevoll angelegten Kurparks wahre Oasen zum Entspannen und Aufblühen. Im Hinblick auf das Wirkprinzip der Anwendungen unterscheidet man ver- schiedene Typen von Kurorten. In Mi- neral- und Thermalheilbädern sprudelt stark mineralisiertes Wasser aus dem Boden, das seine hohen Temperaturen dem Vulkanismus in tiefen Erdschichten verdankt. Der Gehalt an Mineralien, da- runter Kalzium, Magnesium, Natrium, Eisen, Chlorid und Sulfate, außerdem Kohlensäure, wirkt nachweislich ent- spannend und gesundheitsfördernd, und das Baden im temperierten Wasser wird als echte Wohltat für Körper, Geist und Seele empfunden. In Moorheilbädern, zu denen etwa Bad Aibling, Bad Sassendorf oder Bad Wurzach zählen, wird Moor oder Badetorf als Heilmittel eingesetzt, entweder in Form von Bädern oder als Packung. Die Harzgemeinde Bad Grund ist ein Beispiel für ein Heilbad mit einem Heilstollen: Vor allem für die Therapie von Atemwegserkrankungen werden an solchen Orten Naturhöhlen oder spezi- elle Bergwerksstollen genutzt, in denen völlige Staubfreiheit bei hoher Luftfeuch- tigkeit herrscht. Ebenfalls unter Tage, etwa in Bad Kreuznach, Bad Brambach, Bad Münster, Bad Schlema, Bad Steben oder Sibyllenbad, wird die Radontherapie an- gewandt, die u.a. schmerzlindernd wirkt. Heilklimatische Kurorte verfügen über ein ganz besonderes Klima, das sich posi- tiv auf Körper und Psyche auswirkt. Soge- nannte entlastende Faktoren und Stimuli wie dauerhaft hohe Luftqualität, geringe Wärmebelastung, viele Sonnenstunden, maßvolle Bewegung und eine gewisse Abhärtung sind dafür verantwortlich, dass sich in heilklimatischen Kurorten die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern kann. Die Liste der deutschen heilklima- tischen Kurorte ist lang, sie reicht von A wie Altenau im Oberharz bis W wie Wol- fegg im südlichen Baden-Württemberg. Seeheilbäder und Seebäder verlassen sich auf ihr therapeutisch wirksames See- klima bei guter Luftqualität. In Kneipp- heilbädern und -kurorten wird die Ge- sundheitslehre des Pfarrers Sebastian Kneipp (1821–1897) umgesetzt, die auf den Prinzipien sinnvolle Lebensführung, Thermo-Hydro-Therapie und Bewe- gungstherapie fußt. Bad Wörishofen, der Ort, an dem der katholische Seelsorger vor allem wirkte, ist wohl der bekann- teste Kneipp-Kurort. Auf ähnliche Wei- se, nämlich unter Einsatz der Elemente Licht, Luft, Wasser, Erde (Lehm), Bewe-